Data Warehouse, Data Lake, Mesh oder Fabric: Welche Datenarchitektur Sie wirklich brauchen

Data Warehouse, Data Lake, Mesh oder Fabric: Welche Datenarchitektur Sie wirklich brauchen

Neuere Entwicklungen wie hybride Systemlandschaften und steigende Anforderungen durch KI und Analytics stellen Unternehmen vor eine grundlegende Frage: Wie soll die Dateninfrastruktur eigentlich aufgebaut sein? Modelle wie Data Warehouse, Data Lake, Data Mesh und Data Fabric eignen sich für unterschiedliche Anforderungen. Dieser Artikel gibt Ihnen die strategische Orientierung, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Richard Kluth 10.6.2026

1. Einleitung: Warum Datenarchitektur heute strategisch entscheidet

In vielen Organisationen wächst die Datenmenge schneller als die Fähigkeit, sie sinnvoll zu nutzen. Neue Datenquellen kommen hinzu - aus ERP-Systemen, IoT-Geräten, Kundenplattformen, Produktionsanlagen - und die IT-Landschaft wird mit jedem Jahr komplexer. Gleichzeitig steigen die Erwartungen: Analytics-Teams wollen schneller auf Daten zugreifen, KI-Projekte benötigen saubere, strukturierte Datengrundlagen, und das Management erwartet belastbare Kennzahlen in Echtzeit.

Das rückt die Frage der richtigen Datenarchitektur in den Fokus: hier die falsche Entscheidung zu treffen bedeutet, einen hohen Preis zu zahlen – nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch. Systeme, die für einen bestimmten Zweck gebaut wurden, werden mit neuen Anforderungen überlastet. Mögliche Folgen: Datensilos entstehen, weil Teams eigene Lösungen entwickeln. Und KI-Initiativen scheitern, bevor sie begonnen haben, weil die Datenbasis schlicht nicht KI-geeignet ist.

Datenarchitektur darf daher nicht länger als rein technisches Thema behandelt werden. Vielmehr setzt sie strategische Weichenstellungen voraus, die darüber entscheiden, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Daten tatsächlich zu nutzen – heute und in Zukunft.

Was ist Datenarchitektur?

Datenarchitektur beschreibt das strukturelle Konzept, nach dem Daten in einem Unternehmen gespeichert, organisiert, verwaltet und bereitgestellt werden. Sie legt fest, welche Systeme welche Daten halten, wie Daten zwischen Systemen fließen und wer unter welchen Bedingungen Zugriff erhält. Eine durchdachte Datenarchitektur schafft die Grundlage dafür, dass Daten zuverlässig, konsistent und skalierbar nutzbar sind.

Dabei gibt es nicht die eine richtige Architektur. Welches Modell passt, hängt von der Unternehmensgröße, der Organisationsstruktur, dem Datenvolumen und den konkreten Anwendungsfällen ab. Die vier heute am häufigsten diskutierten Ansätze - Data Warehouse, Data Lake, Data Mesh und Data Fabric - unterscheiden sich grundlegend in ihrer Logik und ihren Stärken.

2. Was Daten von einer Architektur verlangen: Vier entscheidende Dimensionen

Bevor Unternehmen eine Architekturentscheidung treffen, lohnt ein Blick auf die Eigenschaften ihrer Daten - nicht auf die Datenarten im klassischen Sinne, sondern auf die Faktoren, die bestimmen, wie anspruchsvoll die Datenhaltung tatsächlich ist.

Volumen beschreibt die schiere Menge der anfallenden Daten. Ein mittelständisches Unternehmen mit Gigabytes an Transaktionsdaten hat grundlegend andere Anforderungen als ein Konzern, der täglich Terabytes aus Produktionsanlagen und Logistiksystemen verarbeitet. Ab einem bestimmten Volumen stoßen klassische Ansätze an ihre Grenzen.

Geschwindigkeit betrifft die Frage, wie zeitnah Daten verfügbar sein müssen. Batch-Verarbeitung reicht für viele Reporting-Anwendungen aus. Echtzeit-Anforderungen - etwa bei der Betrugserkennung oder Maschinenüberwachung - erfordern eine Architektur, die Daten mit minimaler Latenz verarbeiten kann.

Strukturierungsgrad beschreibt, wie einheitlich die Daten aufgebaut sind. Stark strukturierte Daten aus ERP- oder CRM-Systemen lassen sich in relationalen Datenbanken effizient verwalten. Unstrukturierte oder semi-strukturierte Daten - Freitexte, Sensordaten, Log-Einträge - erfordern flexiblere Speicheransätze. Einen detaillierten Überblick über Datenarten bietet unser Artikel zum Datenmanagement im Unternehmen.

Nutzungszweck ist die vielleicht entscheidendste Dimension. Daten für standardisierte Berichte stellen andere Anforderungen als Trainingsdaten für KI-Modelle oder Daten, die mehrere Fachbereiche gleichzeitig nutzen. Die Architektur muss zum Verwendungszweck passen, nicht umgekehrt.

Diese vier Dimensionen lassen sich nicht isoliert betrachten. Erst in ihrer Kombination ergeben sie ein Anforderungsprofil, das die Architekturentscheidung vorstrukturiert. Abbildung 1 zeigt, in welchen Bereichen die vier Architekturmodelle typischerweise ihren Schwerpunkt haben. In der Praxis hängt die optimale Wahl immer vom konkreten Unternehmenskontext ab, und häufig kommen mehrere Modelle kombiniert zum Einsatz.

Daten-Dimensionen - Datenarchitektur

Abbildung 1: Vier Dimensionen - eine Architekturentscheidung. Die Bandbreiten zeigen, für welche Ausprägungen der jeweiligen Dimension ein Architekturmodell typischerweise geeignet ist. Überschneidungen zwischen den Modellen sind gewollt

3. Die vier zentralen Architekturmodelle im Überblick

3.1 Data Warehouse: Zentralisierung für verlässliche Analysen

Das Data Warehouse ist das älteste und am weitesten verbreitete Modell unter den modernen Datenarchitekturen. Es handelt sich um eine zentrale, strukturierte Datenbank, in der Daten aus verschiedenen Quellsystemen zusammengeführt, bereinigt und in ein einheitliches Schema überführt werden. Ziel ist eine konsistente, historisch belastbare Datenbasis für Reporting, Business Intelligence und Controlling.

Typische Anwendungsfälle sind Managementberichte, Finanzkennzahlen, Vertriebsauswertungen oder regulatorische Berichte. Das Data Warehouse glänzt dort, wo Verlässlichkeit und Konsistenz wichtiger sind als Flexibilität: Die Daten sind aufbereitet, validiert und für definierte Abfragen optimiert.

Stärken: Hohe Datenqualität, konsistente Auswertungen, ausgereifte Tooling-Landschaft (z. B. Snowflake, Google BigQuery, Microsoft Synapse).

Grenzen: Wenig geeignet für unstrukturierte Daten; die Aufbereitung der Daten vor der Speicherung (ETL-Prozess) ist aufwändig und erfordert klare Schemadefinitionen im Voraus. Bei sehr großen oder heterogenen Datenmengen stößt das Modell zudem an Skalierungsgrenzen.

3.2 Data Lake: Flexibilität für Rohdaten und Data Science

Der Data Lake verfolgt eine grundlegend andere Philosophie: Daten werden in ihrem Rohformat gespeichert - strukturiert, unstrukturiert oder semi-strukturiert - ohne dass vorab ein Schema definiert werden muss. Das Motto lautet "Schema on Read" statt "Schema on Write": Die Struktur wird erst beim Lesen der Daten angewendet, je nach Analysezweck.

Das macht den Data Lake besonders attraktiv für Data-Science-Teams und KI-Projekte, die auf große Mengen heterogener Rohdaten angewiesen sind. Maschinelle Lernmodelle können auf den Rohdaten trainiert werden, ohne dass eine aufwendige Vorverarbeitung nötig ist. Auch explorative Analysen - also das Suchen nach Mustern in Daten, ohne vorher genau zu wissen, wonach man sucht - profitieren von dieser Flexibilität.

Stärken: Hohe Flexibilität, kostengünstige Speicherung großer Datenmengen, ideal für Machine Learning und Data Science.

Grenzen: Ohne konsequente Governance und klare Verantwortlichkeiten droht der Data Lake zum "Data Swamp" zu werden - einem unübersichtlichen Datensumpf, in dem niemand mehr weiß, welche Daten verlässlich sind und welche nicht. Datenqualität und Auffindbarkeit sind die kritischen Schwachstellen.

"Die Frage ist nicht, welche Datenarchitektur die beste ist, sondern welche zur Reife, Größe und Strategie Ihres Unternehmens passt."

 

3.3 Data Mesh: Dezentralisierung als Organisationsprinzip

Data Mesh ist weniger eine Technologie als ein organisatorisches Paradigma. Das Konzept, das die Analystin Zhamak Dehghani 2019 geprägt hat, reagiert auf ein grundlegendes Problem zentralisierter Architekturen: Je größer ein Unternehmen wird, desto mehr wird das zentrale Datenteam zum Engpass. Fachabteilungen warten auf Daten, die das zentrale Team nicht schnell genug bereitstellen kann.

Data Mesh löst dieses Problem durch Dezentralisierung. Daten werden als Produkte behandelt, für die die jeweiligen Fachdomänen selbst verantwortlich sind. Ein Vertriebsteam verantwortet seine Vertriebsdaten, ein Logistikteam seine Lieferkettendaten - und stellt diese als klar definierte, qualitätsgesicherte Datenprodukte für andere Abteilungen bereit. Eine gemeinsame Self-Service-Infrastruktur und übergreifende Governance-Regeln sorgen dafür, dass die dezentralen Datenprodukte trotzdem interoperabel bleiben.

Stärken: Skaliert gut in großen, komplexen Organisationen; reduziert Engpässe im zentralen Datenteam; stärkt die Datenkompetenz in den Fachbereichen.

Grenzen: Erfordert erhebliche organisatorische Reife und einen kulturellen Wandel. Ohne konsequente Governance-Strukturen entstehen neue Datensilos, statt alte aufzulösen. Für kleinere Unternehmen ist der Aufwand oft unverhältnismäßig hoch. PwC Deutschland beschreibt in seiner Analyse zu Data Mesh als nächster Generation der Enterprise-Datenplattform die Schwächen zentralisierter Ansätze und die Voraussetzungen, unter denen Data Mesh seinen vollen Nutzen entfaltet.

3.4 Data Fabric: Integration als übergreifendes Konzept

Data Fabric ist das jüngste der vier Modelle und verfolgt einen anderen Ansatz als die anderen drei: Es geht nicht primär darum, wo Daten gespeichert werden, sondern darum, wie sie über verschiedene Systeme, Plattformen und Standorte hinweg zugänglich gemacht werden. Data Fabric ist ein Integrationskonzept, das bestehende Datenquellen - ob On-Premise, in der Cloud oder in hybriden Umgebungen - durch eine einheitliche Schicht verbindet.

Kern des Ansatzes ist die Nutzung von Metadaten und Knowledge Graphs, um Daten automatisch zu katalogisieren, Beziehungen zwischen Datensätzen zu erkennen und Zugriff zu orchestrieren. Gartner beschreibt Data Fabric als Designkonzept, das Datenzugriff im gesamten Unternehmen durch flexible, wiederverwendbare und augmentierte Datenintegration ermöglicht.

Stärken: Besonders geeignet für Unternehmen mit komplexen, heterogenen IT-Landschaften; reduziert den manuellen Aufwand für Datenintegration; ermöglicht eine einheitliche Datensicht über Systemgrenzen hinweg.

Grenzen: Technisch anspruchsvoll in der Implementierung; erfordert eine ausgereifte Metadaten-Strategie und entsprechende Tooling-Investitionen. 

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4. Vergleich: Welches Modell für welchen Anwendungsfall?

Die vier Architekturmodelle lösen unterschiedliche Probleme. Die Entscheidung, welches wann sinnvoll ist, hängt von konkreten organisatorischen und technischen Voraussetzungen ab.

Data Warehouse

Das Data Warehouse ist die richtige Wahl, wenn Verlässlichkeit und Konsistenz im Vordergrund stehen. Es eignet sich besonders für Unternehmen mit klar definierten Reporting-Anforderungen, überschaubaren Datenquellen und einem zentralen Datenteam, etwa in Finanzdienstleistungen, Handel oder Industrie.

    • Strukturierte Daten aus ERP, CRM oder Finanzsystemen
    • Standardisierte Berichte, Dashboards und Kennzahlensysteme
    • Historische Analysen über längere Zeiträume

Data Lake

Der Data Lake empfiehlt sich, wenn große Mengen heterogener Daten flexibel gespeichert und ausgewertet werden sollen, insbesondere als Grundlage für Data Science und maschinelles Lernen. Entscheidend ist dabei, von Beginn an in Governance und Datenkatalogisierung zu investieren.

    • Unstrukturierte und semi-strukturierte Daten aus vielfältigen Quellen
    • Explorative Analysen und Training von Machine-Learning-Modellen
    • Große, kontinuierlich wachsende Datenmengen

Data Mesh

Data Mesh ist das Modell der Wahl, wenn eine Organisation so groß geworden ist, dass ein zentrales Datenteam die Nachfrage der Fachbereiche nicht mehr bedienen kann. Wichtig: Data Mesh ist kein technisches Projekt, sondern vor allem ein Organisationsprojekt. Ohne kulturelle Voraussetzungen riskieren Unternehmen hier, alte Silos durch neue zu ersetzen.

    • Große Organisationen mit vielen eigenständigen Fachdomänen
    • Vorhandene Datenkompetenz in den Fachbereichen
    • Bereitschaft zu klarer Domänenverantwortung und organisatorischem Wandel

Data Fabric

Data Fabric ist weniger ein eigenständiges Speichermodell als eine Integrationsschicht über bestehende Architekturen. Es empfiehlt sich besonders für Unternehmen mit historisch gewachsenen, heterogenen IT-Landschaften, in denen Datenintegration bisher manuell und aufwendig war.

    • Heterogene IT-Landschaften mit On-Premise- und Cloud-Systemen
    • Verteilte Datenbestände, die ohne physische Konsolidierung zugänglich gemacht werden sollen
    • Komplexe Multi-Cloud- oder Hybrid-Umgebungen

Tabelle: Datenarchitekturmodelle und typische Anwendungsfälle

Architektur

Datenfokus

Organisationsmodell

Typischer Anwendungsfall

Besonders geeignet für

Data Warehouse

Strukturiert, bereinigt

Zentralisiert

Reporting, BI, Controlling

Unternehmen mit klaren Berichtsanforderungen

Data Lake

Alle Typen, roh

Zentralisiert

Data Science, ML, Exploration

Unternehmen mit KI-Ambitionen und großen Datenmengen

Data Mesh

Domänenspezifisch

Dezentralisiert

Skalierung in großen Organisationen

Große Unternehmen mit vielen Fachdomänen

Data Fabric

Alle Typen, verteilt

Hybrid / integriert

Heterogene IT-Landschaften

Organisationen mit komplexen Multi-Cloud-Umgebungen

Die vier Datenarchitekturmodelle im Vergleich. Hinweis: In der Praxis kommen häufig hybride Ansätze zum Einsatz, die Elemente mehrerer Modelle kombinieren.

5. Zentrale vs. dezentrale Datenhaltung: Eine strategische Grundsatzfrage

Hinter der Wahl zwischen diesen Modellen steckt eine grundlegendere Frage: Sollen Daten zentral verwaltet werden - mit hoher Konsistenz, aber potenziellen Engpässen - oder dezentral, mit mehr Agilität, aber höherem Koordinationsaufwand?

Zentralisierte Ansätze wie das Data Warehouse bieten eine "Single Source of Truth": eine einzige, verlässliche Quelle für Unternehmensdaten. Das ist besonders wertvoll, wenn Entscheidungen auf gemeinsamen Kennzahlen basieren müssen und Widersprüche zwischen Abteilungen vermieden werden sollen.

Dezentralisierte Ansätze wie Data Mesh geben Fachbereichen mehr Autonomie und Geschwindigkeit. Sie funktionieren aber nur dann, wenn übergreifende Standards, gemeinsame Governance-Regeln und eine Self-Service-Infrastruktur konsequent etabliert werden. Ohne diese Grundlagen entstehen neue Silos, nur in anderer Form.

Die Architektur-Entscheidung hängt stark von der Organisationsstruktur ab. Ein mittelständisches Unternehmen mit einem zentralen IT-Team und klar definierten Berichtsanforderungen ist mit einem Data Warehouse oder einem Data Lake gut bedient. Ein Konzern mit Dutzenden von Fachdomänen und eigenständigen Datenprodukten kann von einem Data-Mesh-Ansatz profitieren, sofern die organisatorische Reife vorhanden ist.

6. Cloud, Edge und hybride Architekturen

Keine Architekturentscheidung findet heute im Vakuum statt. Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud haben die Möglichkeiten der Datenhaltung grundlegend verändert: Skalierbarkeit, Kostenflexibilität und globale Verfügbarkeit sind heute Standard. Moderne Data-Warehouse-Lösungen wie Snowflake oder Databricks laufen vollständig in der Cloud und kombinieren Eigenschaften des klassischen Warehouses mit der Flexibilität eines Data Lakes; ein Ansatz, der unter dem Begriff "Data Lakehouse" zunehmend Verbreitung findet.

Gleichzeitig gewinnt Edge Computing an Bedeutung: In Szenarien, in denen Daten direkt am Entstehungsort verarbeitet werden müssen - etwa in der Produktion oder bei IoT-Anwendungen - ist eine latenzarme Verarbeitung vor Ort oft sinnvoller als der Umweg über eine zentrale Cloud-Infrastruktur.

In der Praxis bedeutet das: Die meisten Unternehmen betreiben heute hybride Architekturen, die On-Premise-Systeme, Cloud-Plattformen und Edge-Komponenten kombinieren. Data Fabric ist in diesem Kontext besonders relevant, weil es genau diese Heterogenität adressiert und eine einheitliche Datensicht über alle Schichten hinweg ermöglicht.

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7. Datenarchitektur als Grundlage für KI und Analytics

Die Wahl der Datenarchitektur hat direkte Auswirkungen auf die Fähigkeit eines Unternehmens, KI sinnvoll einzusetzen. Maschinelle Lernmodelle benötigen große Mengen qualitativ hochwertiger Daten - und zwar in einer Form, die für das Training geeignet ist. Sind Daten über viele isolierte Systeme verteilt, inkonsistent oder schlecht dokumentiert, scheitern KI-Projekte häufig nicht an den Algorithmen, sondern an der Datenbasis.

Ein Data Lake bietet die Flexibilität, Rohdaten für das Training von Modellen bereitzustellen. Ein Data Warehouse liefert die strukturierten, validierten Daten, die für prädiktive Analysen und Business Intelligence benötigt werden. Data Mesh stellt sicher, dass auch in großen Organisationen domänenspezifische Daten schnell und zuverlässig verfügbar sind. Und Data Fabric sorgt dafür, dass all diese Daten - unabhängig davon, wo sie liegen - auffindbar, zugänglich und vertrauenswürdig sind.

In der Praxis bedeutet das: Viele Unternehmen kombinieren mehrere Ansätze. Ein Data Lake dient als zentrales Rohdaten-Repository für Data-Science-Teams, während ein Data Warehouse die aufbereiteten Daten für das Reporting bereitstellt. Data Fabric verbindet beide Schichten und macht sie für verschiedene Nutzergruppen zugänglich. Wie eine solche KI-geeignete Dateninfrastruktur technisch aufgebaut wird, beschreibt unser Artikel zum Aufsetzen einer KI-Datenbank im Detail.

Wichtig ist dabei: Sie sollten Datenarchitektur und Datenstrategie zusammendenken. Eine Architektur, die nicht zur Strategie passt, erzeugt technische Schulden statt Mehrwert. Und eine Strategie ohne die passende Infrastruktur bleibt Wunschdenken. Wie Unternehmen Data Science und KI auf Basis einer soliden Datenbasis erfolgreich einsetzen, zeigt unser Beitrag zu Data Science und KI.

8. Fazit: Architektur ist keine einmalige Entscheidung

Datenarchitektur ist kein Projekt, das man einmal abschließt. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess, der mit den Anforderungen des Unternehmens wächst. Was heute etwa als Data Warehouse beginnt, kann morgen um einen Data Lake ergänzt werden und übermorgen durch Data-Fabric-Komponenten zu einer integrierten Plattform zusammenwachsen.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Entscheider:innen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Data Warehouse eignet sich für Unternehmen, die verlässliche, strukturierte Daten für Reporting und BI benötigen. Es ist der bewährteste Ansatz und für viele Organisationen der richtige Ausgangspunkt.
  • Data Lake ist die richtige Wahl, wenn große Mengen heterogener Rohdaten für Data Science und KI-Projekte benötigt werden, vorausgesetzt, Governance und Datenqualität werden konsequent adressiert.
  • Data Mesh entfaltet seinen Nutzen in großen, komplexen Organisationen, in denen zentrale Datenteams zum Engpass werden. Er erfordert organisatorische Reife und kulturellen Wandel.
  • Data Fabric ist kein Ersatz für die anderen Modelle, sondern eine Integrationsschicht, die besonders in heterogenen IT-Landschaften Mehrwert schafft.

Handlungsempfehlungen für den nächsten Schritt:

  • Analysieren Sie Ihre bestehende Datenlandschaft: Welche Daten liegen wo, in welcher Qualität und für welche Zwecke?
  • Definieren Sie Ihre wichtigsten Anwendungsfälle: Reporting, KI, Echtzeit-Analytics oder Datenintegration?
  • Bewerten Sie Ihre organisatorische Reife: Haben Sie die Governance-Strukturen und das Know-how, um dezentrale Ansätze zu betreiben?
  • Planen Sie iterativ: Beginnen Sie mit dem Modell, das Ihren aktuellen Anforderungen am besten entspricht, und bauen Sie darauf auf.

FAQ: Datenarchitektur im Unternehmen

Was versteht man unter Datenarchitektur?

Datenarchitektur beschreibt das strukturelle Konzept, nach dem Daten in einem Unternehmen gespeichert, organisiert und bereitgestellt werden. Sie legt fest, welche Systeme welche Daten halten, wie Daten fließen und wer Zugriff erhält. Eine durchdachte Datenarchitektur ist die Grundlage für verlässliche Analysen, KI-Projekte und skalierbare digitale Prozesse.

Was ist der Unterschied zwischen Data Warehouse und Data Lake?

Ein Data Warehouse speichert strukturierte, vorab aufbereitete Daten für Reporting und Business Intelligence. Ein Data Lake speichert Daten aller Art in ihrem Rohformat - strukturiert, unstrukturiert oder semi-strukturiert. Data Lakes sind flexibler und eignen sich besonders für Data Science und KI-Projekte, erfordern aber konsequente Governance, um nicht zum unübersichtlichen "Data Swamp" zu werden.

Wann lohnt sich ein Data Mesh?

Data Mesh lohnt sich vor allem in großen Organisationen mit vielen eigenständigen Fachdomänen, in denen ein zentrales Datenteam zum Engpass wird. Das Modell erfordert erhebliche organisatorische Reife: klare Domänenverantwortung, eine gemeinsame Self-Service-Infrastruktur und übergreifende Governance-Regeln. Für kleinere Unternehmen ist der Aufwand in der Regel unverhältnismäßig hoch.

Was versteht man unter einer Data Fabric?

Data Fabric ist ein Integrationskonzept, das Daten über verschiedene Systeme, Plattformen und Standorte hinweg zugänglich macht - unabhängig davon, ob sie On-Premise, in der Cloud oder in hybriden Umgebungen liegen. Im Kern nutzt Data Fabric Metadaten und automatisierte Datenintegration, um eine einheitliche Datensicht zu schaffen. Es ist kein Ersatz für andere Architekturmodelle, sondern eine verbindende Schicht.

Welche Datenarchitektur eignet sich am besten für KI-Projekte?

KI-Projekte profitieren am stärksten von einem Data Lake als Rohdaten-Repository, kombiniert mit einem Data Warehouse für aufbereitete, validierte Daten. In der Praxis setzen viele Unternehmen auf hybride Ansätze oder moderne "Data Lakehouse"-Plattformen wie Databricks oder Snowflake, die Eigenschaften beider Modelle vereinen. Entscheidend ist in jedem Fall eine konsequente Datenstrategie mit klaren Governance-Strukturen.

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Richard Kluth
Richard Kluth

Richard ist AI Operations Lead bei Assecor und sorgt für den reibungslosen Betrieb und die Skalierung von KI-Systemen. Mit seinem technischen Know-how stellt er sicher, dass Unternehmen die Potenziale von KI optimal ausschöpfen und effizient in bestehende Prozesse integrieren.