57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland setzen bereits KI ein. Das zeigt eine repräsentative Bitkom-Befragung aus dem Jahr 2026. Diese Zahl umfasst nicht sämtliche Kleinstunternehmen und sagt noch nichts über den Nutzen einer einzelnen Anwendung aus.
Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) zählen deshalb konkrete Entscheidungen: Welche Aufgabe bindet Kapazitäten? Welche Daten sind verfügbar? Und wer kann die Anwendung prüfen und betreuen? Begrenzte Ressourcen verlangen einen überschaubaren Umfang und eine nachvollziehbare Bewertung der Kosten.
Dieser Beitrag zeigt sieben Schritte, mit denen Sie geeignete KI-Anwendungen auswählen, erproben und in den Arbeitsalltag einbinden können. Auch bestehende Werkzeuge sollten auf Datenverarbeitung, Qualität und tatsächliche Entlastung geprüft werden. Ein Leitfaden von Mittelstand-Digital zur KI-Integration in KMU betont ebenfalls die Abstimmung mit den individuellen Rahmenbedingungen des Unternehmens.
Der Beitrag basiert auf einem ursprünglichen Artikel von Julia Führer und wurde von der Assecor Redaktion aktualisiert.
Warum ist KI für KMUs wichtig?
Künstliche Intelligenz bezeichnet Systeme, die durch Algorithmen in der Lage sind, Aufgaben zu erledigen, die sonst menschliche Intelligenz erfordern würden: etwa das Erkennen von Mustern, das Verstehen natürlicher Sprache oder das Treffen von Entscheidungen auf Basis von Daten.
Für KMUs bedeutet das konkret:
- Effizienzsteigerung: Routineaufgaben wie das Sortieren von Rechnungen, das Beantworten von Kundenanfragen oder die Lagerverwaltung können automatisiert werden.
- Bessere Entscheidungen: KI kann Daten analysieren und Handlungsempfehlungen geben, sei es bei der Nachfrageplanung oder beim Erkennen von Markttrends.
- Kundenzentrierung: Chatbots oder personalisierte Empfehlungen können wiederkehrende Anliegen unterstützen. Ob sie das Team tatsächlich entlasten, hängt von Antwortqualität, Übergaben und Nacharbeit ab.
Für KMU sind besonders Aufgaben interessant, die häufig anfallen, einen bekannten Aufwand verursachen und überprüfbare Ergebnisse liefern. Nicht jeder Ablauf benötigt KI. Feste Regeln oder vorhandene Softwarefunktionen können für eine Automatisierung bereits ausreichen. Weitere Vorteile und Grenzen von KI sollten deshalb am konkreten Prozess bewertet werden.

Abbildung: Vier Beispiele für Einsatzmöglichkeiten von KI in KMU (eigene Darstellung)
So gelingt der Einstieg: Schritt für Schritt zur KI-Einführung
1. Bedarfsanalyse und Zieldefinition
Bevor Sie in Technik investieren, stellen Sie sich eine zentrale Frage: Welches Problem wollen wir mit KI lösen?
Identifizieren Sie Bereiche, in denen wiederkehrende Aufgaben anfallen oder Entscheidungen datenbasiert getroffen werden könnten.
Beispiele für konkrete Use Cases:
- Buchhaltung: Automatisiertes Auslesen von Belegen.
- Kundenservice: Chatbots für häufige Anfragen.
- Marktrecherche: Automatisierte Zusammenfassungen von öffentlichen Informationen.
Definieren Sie klare Ziele: Wollen wir Kosten senken, Kund:innen schneller bedienen oder Engpässe besser vorhersagen?
Ein illustratives Ziel könnte lauten: "Reduktion der Bearbeitungszeit von Kundenanfragen um 30 % innerhalb von sechs Monaten." Ob dieses Ziel erreichbar ist, muss der Pilot zeigen; Ergebnisqualität und Nacharbeit gehören in die Messung.
Wählen Sie zunächst eine abgegrenzte Aufgabe und benennen Sie eine intern verantwortliche Person. Legen Sie fest, wie viel Arbeitszeit für Vorbereitung, Tests und Betreuung verfügbar ist. Ein Vorhaben ohne diese Kapazität sollte kleiner zugeschnitten oder zurückgestellt werden.
2. Datenbewertung und -vorbereitung
KI lebt von Daten: je besser Ihre Datenbasis, desto effektiver die Systeme. Prüfen Sie die für die konkrete Aufgabe benötigten Daten, bevor Sie eine Lösung auswählen.
Prüfpunkte:
- Vollständigkeit: Sind die erforderlichen Informationen und geeignete Testfälle vorhanden?
- Genauigkeit: Sind die Angaben ausreichend richtig und aktuell für den vorgesehenen Zweck?
- Relevanz: Beziehen sich die Daten auf die Aufgabe, und dürfen sie dafür verarbeitet werden?
Beispiel: Ein Chatbot für Standardfragen benötigt eine verlässliche Wissensbasis, etwa freigegebene Produktinformationen oder Servicehinweise. Diese müssen nicht bereits als strukturierte Datenbank vorliegen.
Gegebenenfalls müssen Daten aufbereitet oder ergänzt werden: Dies kann manuell oder mit ETL-Tools (Extract, Transform, Load) geschehen.
3. Technologieauswahl und Partnerfindung
Nun stellt sich die Frage: Eigenentwicklung oder Standardlösung?
Prüfen Sie zunächst, ob vorhandene Software oder eine Standardlösung die Aufgabe ausreichend unterstützt. Eine Eigenentwicklung kommt infrage, wenn wichtige Anforderungen damit nicht abgedeckt werden. Bei beiden Wegen müssen Datenverarbeitung, Integration und Betreuung geklärt sein.
Übersicht: Welche Lösung passt zum Vorhaben?
|
Ansatz |
Geeignet, wenn ... |
Besonders zu prüfen |
|
Standardlösung |
... die benötigte Funktion bereits verfügbar ist |
Lizenzumfang, Datenverarbeitung, Ergebnisqualität und Grenzen |
|
Standardlösung mit Integration |
... Ergebnisse mit bestehenden Systemen verbunden werden müssen |
Schnittstellen, Berechtigungen und Pflegeaufwand |
|
Individuelle Anwendung |
... besondere Abläufe oder Anforderungen abgedeckt werden müssen |
Entwicklungsaufwand, Tests, Wartbarkeit und Betriebsverantwortung |
Eine Standardlösung kann ebenfalls erheblichen Einrichtungs- und Betreuungsaufwand verursachen. Entscheidend ist die Passung zur Aufgabe.
Planen Sie neben Lizenzen auch Datenvorbereitung, Einrichtung, Schnittstellen, fachliche Kontrolle und laufende Betreuung ein. Ein niedriger Abopreis bildet diese Gesamtkosten nicht ab. Prüfen Sie außerdem, welche Daten bei externen Diensten verarbeitet werden und welche Abhängigkeiten entstehen. Unser Artikel zur digitalen Souveränität im Unternehmen bietet dafür Orientierung.
Externe Unterstützung kann fehlende Kompetenzen ergänzen. Klären Sie den Leistungsumfang, die Übergabe und die Zuständigkeit im Betrieb. Eine intern verantwortliche Person bleibt auch bei einem Dienstleister erforderlich.
KI-Vorhaben mit überschaubarem Umfang planen
Unser Leitfaden "KI im Unternehmen einführen" behandelt Anwendungsfälle, Pilotprojekte, Datenschutz und Erfolgsmessung. Nutzen Sie ihn, um vorhandene Ideen zu ordnen und die nächsten Schritte für Ihr Unternehmen vorzubereiten.
4. Pilotprojekt starten
Begrenzen Sie den Pilot auf eine Aufgabe, geeignete Testdaten und einen festgelegten Zeitraum. So können Sie Qualität und Aufwand prüfen, bevor die Anwendung ausgeweitet wird. Auch ein kleiner Pilot benötigt klare Zuständigkeiten und angemessene Schutzmaßnahmen.
Beispiel: Einführung eines internen RAG-Chatbots, über den Mitarbeiter:innen Details zu Unternehmensrichtlinien abfragen können (z.B. "Welche Kosten bekomme ich bei einer Dienstreise erstattet?").
Wichtige Kriterien:
- Klare Messgrößen (KPIs)
- Zeitlich begrenzter Rahmen (z.B. 3 Monate)
- Evaluationsplan: Was funktioniert, was nicht?
Dokumentierte Ergebnisse helfen, Nutzen und Grenzen mit den Beteiligten zu beurteilen. Ein Pilot kann auch zeigen, dass Daten, Ablauf oder Technologieauswahl angepasst werden müssen.
5. Mitarbeitende einbinden und schulen
Beziehen Sie Mitarbeitende frühzeitig ein, damit Anforderungen und Veränderungen im Alltag sichtbar werden. Unser Beitrag zur KI-Einführung und Mitarbeitendenbeteiligung vertieft diese Perspektive.
- Kommunikation: Erklären Sie transparent, warum KI eingeführt wird und was sich dadurch verändert.
- Schulungen: Bieten Sie Fortbildungen an, z. B. zu Daten- und Informationsschutz, ethischen Fragestellungen oder dem Umgang mit neuen Tools. Dazu gehören die Prüfung von Ergebnissen, der Umgang mit vertraulichen Daten und die Weitergabe unklarer Fälle.
- Feedbackkultur: Binden Sie Mitarbeitende aktiv ein: Ihre Erfahrungen sind wertvoll für die Optimierung.
Ziel ist es, Ängste abzubauen und Neugier auf Neues zu wecken.
6. Integration und Skalierung
Vor dem produktiven Einsatz müssen Ergebnisse, Schnittstellen und Zuständigkeiten geprüft sein. Verbinden Sie die Lösung anschließend kontrolliert mit den benötigten Geschäftsabläufen:
- Automatisierung mit vorhandenen Systemen (z. B. ERP, CRM)
- Standardisierte Workflows und Zuständigkeiten
- Kontinuierliche Erfolgsmessung und Optimierung
Legen Sie fest, wer Fehler bearbeitet, Änderungen freigibt und die Anwendung betreut. Bei einem Ausfall sollte ein geeigneter Ersatzablauf verfügbar sein. Prüfen Sie vor einer Ausweitung, ob Qualität, Antwortzeiten und Kosten bei höherer Nutzung weiterhin überzeugen. Der Leitfaden zur KI-Implementierung erläutert den Übergang vom Pilot in den Betrieb.
Erst danach empfiehlt sich die Ausweitung auf weitere Anwendungsfelder.
7. Rechtliche und ethische Aspekte beachten
Die Einführung von KI bringt auch Verantwortung mit sich. Diese Prüfung beginnt vor dem Pilot und begleitet das Vorhaben; sie ist kein erst am Ende durchzuführender Schritt.
- Datenschutz: Bei personenbezogenen Daten Zweck, Rechtsgrundlage, Anbieterrollen, erforderliche Verträge und Schutzmaßnahmen prüfen. Unser DSGVO-Leitfaden für Unternehmen erläutert die Prüffelder.
- KI-Verordnung: Anforderungen nach konkreter Anwendung und Rolle prüfen. Pflichten können auch außerhalb von Hochrisiko-Anwendungen relevant sein.
- Verantwortung und Kontrolle: Zuständigkeiten, Ergebnisprüfung und Freigaben für Folgeaktionen festlegen. Bei Personenbewertungen auch mögliche Benachteiligungen berücksichtigen.
Tipp: Erstellen Sie eine unternehmensinterne KI-Richtlinie, die ethische Prinzipien, Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen definiert.
Fazit: KI für KMU mit klaren Aufgaben und Ressourcen planen
KI kann KMU bei wiederkehrenden Aufgaben und datenintensiven Abläufen unterstützen. Ein geeigneter Anfang ist eine begrenzte Aufgabe mit verfügbaren Daten, klarer Verantwortung und überprüfbaren Zielen. Das gilt auch für Unternehmen, die bereits einzelne Werkzeuge einsetzen.
Entscheidend ist, ob der vollständige Prozess einschließlich Kontrolle, Nacharbeit und Betreuung überzeugt. Planen Sie diese Aufgaben ebenso wie Lizenzen und Integration ein. Die Ergebnisse des Piloten zeigen, welche Anwendung ausgeweitet werden kann und wo zunächst Voraussetzungen verbessert werden müssen.
FAQ: KI für KMUs
Warum lohnt sich KI für KMUs?
KI kann wiederkehrende Aufgaben unterstützen, Informationen erschließen und Entscheidungen vorbereiten. Ob sich eine Anwendung lohnt, hängt von Fallvolumen, Ergebnisqualität und Gesamtkosten ab. Gerade KMU sollten Datenvorbereitung, Kontrolle und Betreuung einplanen. Ein begrenzter Pilot hilft, den Nutzen für den konkreten Prozess zu prüfen.
Wie kann ein kleines Unternehmen mit KI starten?
Wählen Sie eine abgegrenzte Aufgabe und prüfen Sie geeignete Daten, vorhandene Software und verfügbare Arbeitszeit. Benennen Sie eine verantwortliche Person und legen Sie Testkriterien fest. Ein begrenzter Pilot bewertet Qualität und Aufwand. Datenschutz, Berechtigungen und spätere Betreuung müssen bereits bei der Vorbereitung berücksichtigt werden.
Welche KI-Anwendungen sind für KMUs besonders sinnvoll?
Mögliche Anwendungen sind die Vorbereitung von Antworten, das Auslesen von Belegen, Textentwürfe oder die Suche in freigegebenen Dokumenten. Geeignet sind Aufgaben mit relevantem Aufwand und überprüfbaren Ergebnissen. Die Auswahl hängt von Daten, Risiken und Integration ab. Eindeutige Abläufe lassen sich gegebenenfalls auch ohne KI automatisieren.
Was sind typische Fehler bei der KI-Einführung?
Häufig fehlen ein konkretes Ziel, passende Daten oder klare Zuständigkeiten. Auch ein niedriger Abopreis kann täuschen, wenn Einrichtung, Kontrolle und Betrieb nicht berücksichtigt werden. Zu schnelle Ausweitung und ungeprüfte Ergebnisse erhöhen Risiken. Ein begrenzter Umfang, dokumentierte Tests und frühzeitige Beteiligung helfen, Probleme zu erkennen.
Welches KI-Vorhaben passt zu Ihren Ressourcen?
Besprechen Sie mit Assecor, welche Aufgaben Potenzial bieten, welche Daten und Integrationen erforderlich sind und welcher Umfang zu den verfügbaren Kapazitäten Ihres Unternehmens passt.
Die Assecor Redaktion erstellt und prüft Inhalte zu KI, Softwareentwicklung, Softwaremodernisierung und digitaler Transformation. Grundlage sind Fachwissen aus dem Assecor Team, interne Workshops, aktuelle Quellen und Erfahrungen aus Kundenprojekten.