57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland setzen bereits KI ein. Das zeigt eine repräsentative Bitkom-Befragung aus dem Jahr 2026. Die Nutzung eines Werkzeugs beantwortet jedoch noch nicht, ob eine Anwendung zuverlässig mit Unternehmensdaten arbeitet, in bestehende Systeme integriert ist und im Betrieb wirtschaftlich überzeugt.
Bei der KI-Implementierung entstehen häufig Hürden durch ungeeignete Daten, fehlende Schnittstellen oder unklare Zuständigkeiten. Dieser praxisnahe Leitfaden zeigt auf, wie Sie KI-Integrationen erfolgreich umsetzen können: von den notwendigen Voraussetzungen über effektive Implementierungsstrategien bis hin zur Skalierung und Erfolgsmessung.
Ursprünglicher Beitrag von Richard Kluth. Für die aktuelle Fassung fachlich überarbeitet von Toni Jungheim.
Was ist KI-Implementierung und warum ist sie wichtig?
KI-Implementierung bezeichnet den strategischen Prozess der Integration von KI-Technologien in Geschäftsprozesse, um spezifische Probleme zu lösen oder neue Chancen zu erschließen. Dies umfasst folgende Teilprozesse:
- Identifikation von Anwendungsfällen: Ermitteln Sie konkrete Geschäftsprobleme mit hohem Automatisierungspotenzial und klarem Mehrwert durch KI.
- Datenvorbereitung: Prüfen Sie, ob die benötigten Daten für den Anwendungsfall ausreichend vollständig, aktuell und rechtmäßig nutzbar sind. Bereinigung und einheitliche Zuordnungen müssen zum Verwendungszweck passen.
- Technologieauswahl und Anpassung: Wählen und testen Sie eine geeignete Standardlösung, ein vorhandenes Modell oder eine individuelle Anwendung. Eigene Modellentwicklung ist nicht grundsätzlich erforderlich.
- Lösungsbereitstellung: Verbinden Sie die Anwendung über geeignete Schnittstellen mit den benötigten Systemen. Planen Sie Berechtigungen, Fehlerbehandlung, Überwachung und Betrieb ein.
- Erfolgsmessung: Messen Sie technische Qualität und geschäftliche Wirkung anhand festgelegter Kennzahlen. Berücksichtigen Sie Kontrolle, Nacharbeit und laufende Kosten.
KI kann Routineaufgaben, Analysen und die Vorbereitung von Entscheidungen unterstützen. Unser Überblick zu fünf KI-Einsatzgebieten für Unternehmen hilft bei der Auswahl geeigneter Aufgaben. Ob daraus ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht, zeigt sich erst am vollständigen Ablauf einschließlich Integration, Ergebnisprüfung und Betrieb.
Die KI-Implementierungsstrategie als Grundlage
Bevor einzelne Schritte angegangen werden, braucht es eine übergeordnete KI-Implementierungsstrategie: Sie legt fest, welche Ziele mit KI erreicht werden sollen, welche Prozesse priorisiert werden und wie Governance, Datenschutz und Change Management organisiert sind. Für ein konkretes Vorhaben sollte die Implementierungsstrategie den Umfang, die benötigten Daten, Verantwortlichkeiten und Freigabekriterien festlegen. Sie setzt die übergeordneten Entscheidungen der KI-Strategie des Unternehmens in einen umsetzbaren Projektplan um.
KI-Implementierungsplan: Von der Anforderung zum Betrieb
Ein Implementierungsplan verbindet fachliche Anforderungen mit technischen und organisatorischen Arbeitsergebnissen. Auch IBM beschreibt KI-Implementierung als strukturierten Prozess, der Ziele, Datenbereitschaft, Integration und laufende Überprüfung zusammenführt.
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Phase |
Arbeitsergebnis |
Verantwortliche Funktionen |
Beispiel für ein Freigabekriterium |
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Anforderung und Umfang |
Abgegrenzter Prozess, Ziel und Ausgangsmessung |
Fachbereich, Projektverantwortliche, IT |
Aufgabe, Zuständigkeit und Prüfkriterien sind abgestimmt |
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Daten und Rechte |
Geeignete Quellen, Zuordnungen und Zugriffsregeln |
Fachbereich, Datenverantwortliche, IT, Datenschutz |
Benötigte Daten sind nutzbar und berechtigte Zugriffe geprüft |
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Technologieauswahl |
Begründete Wahl von Standardlösung, Modell oder Eigenentwicklung |
IT, Fachbereich, Einkauf |
Lösung erfüllt die wesentlichen Anforderungen; Kosten und Grenzen sind bekannt |
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Pilot und Evaluation |
Testergebnisse zu Qualität, Fehlerfällen und Aufwand |
Fachbereich, Entwicklung, Informationssicherheit |
Vorab festgelegte Kriterien sind erfüllt oder offene Punkte eindeutig bewertet |
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Produktivübergang |
Integration, Support, Überwachung und Rückfallverfahren |
IT-Betrieb, Fachbereich, Entwicklung |
Verantwortlichkeiten, Berechtigungen und Umgang mit Störungen sind geklärt |
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Betrieb und Weiterentwicklung |
Regelmäßige Qualitäts- und Kostenprüfung |
Fachbereich, Betrieb, Projektverantwortliche |
Änderungen werden kontrolliert geprüft; Nutzen und Aufwand bleiben nachvollziehbar |
Die Phasen können sich überschneiden. Entscheidend sind überprüfbare Ergebnisse und klare Entscheidungen vor der jeweiligen Ausweitung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wie Sie KI-Projekte erfolgreich implementieren
1. Schaffen Sie die richtigen Voraussetzungen
Hochwertiges Datenmanagement etablieren
Die benötigten Daten müssen für die jeweilige KI-Aufgabe geeignet sein. Gemäß dem Prinzip "Garbage in, garbage out" scheitern viele KI-Projekte an unzuverlässigen Daten. Planen Sie deshalb Datenbereinigung, eindeutige Zuordnungen und konsistente Datenpflege gezielt für den Anwendungsfall ein.
Bei Prognosemodellen benötigen Sie geeignete historische Daten und getrennte Evaluationsdaten. Bei einem Dokumentenassistenten zählen insbesondere Qualität, Aktualität und Zugänglichkeit der abgerufenen Inhalte. Unser Artikel zum Datenmanagement im Unternehmen erläutert die organisatorischen und technischen Grundlagen.
Passende Infrastruktur für die KI-Implementierung bereitstellen
Prüfen Sie, ob eine vorhandene Standardlösung, ein externer Dienst oder eine eigene Anwendung die Anforderungen erfüllt. Betriebsform und Infrastruktur ergeben sich aus Datenverarbeitung, Integration, Leistung, Verfügbarkeit und internen Kompetenzen. Eine Cloud-Lösung kann Skalierung erleichtern, erfordert aber die Prüfung von Verträgen und tatsächlichen Datenflüssen. Eigenbetrieb bringt zusätzliche Betriebsverantwortung mit sich.
Container und Orchestrierungswerkzeuge können für bestimmte Eigenentwicklungen sinnvoll sein. Docker oder Kubernetes sind jedoch keine Voraussetzung für jede KI-Implementierung.
Fachbereiche und Mitarbeitende einbeziehen
Beziehen Sie die späteren Nutzer:innen frühzeitig in Anforderungen und Tests ein. Klären Sie, welche Aufgaben sich verändern, welche Ergebnisse geprüft werden müssen und wo die Anwendung Grenzen hat. Rückmeldungen aus dem Arbeitsalltag helfen, ungeeignete Abläufe und zusätzliche Nacharbeit früh zu erkennen.
Wie Kommunikation, Beteiligung und Qualifizierung gestaltet werden können, behandelt unser Beitrag zur KI-Einführung mit aktiver Einbindung der Mitarbeitenden. Der vorliegende Leitfaden konzentriert sich auf die Umsetzung und den Übergang in den Betrieb.
Rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen
Prüfen Sie frühzeitig Zweck, benötigte Daten, Rechtsgrundlage und Anbieterrollen. Bei personenbezogenen Daten gehören erforderliche Verträge, Betroffenenverfahren und gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung dazu. Anonymisierung und Einwilligung sind keine pauschale Lösung für jede Anwendung.
Implementieren Sie einen Zugriffsschutz und datenschutzgerechte Einstellungen und testen Sie ihre Wirkung. Bei bereits eingesetzten Anwendungen sollte dieselbe Prüfung anhand der tatsächlich aktiven Funktionen erfolgen.
Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zu KI und Datenschutz erläutert Kriterien für Auswahl, Implementierung und Nutzung. Daneben sind die für den konkreten Einsatz relevanten Anforderungen der KI-Verordnung zu prüfen. Die konkreten Prüffelder für Rechtsgrundlagen, Anbieter, Datenflüsse und Betroffenenrechte erläutert unser DSGVO-Leitfaden für Unternehmen.
2. Prüfen Sie die KI-Integration in Pilotprojekten
Klein anfangen mit überschaubaren Projekten
Begrenzen Sie neue Anwendungen oder wesentliche Änderungen zunächst auf einen klar definierten Prozess. Ein Pilot kann technische Machbarkeit und erste Prozesswirkungen prüfen. Er ist noch kein Nachweis, dass die Lösung unter allen Bedingungen produktiv betrieben werden kann.
Definieren Sie vor dem Test Erfolgskriterien und geeignete Vergleichsfälle. Bei einem Prognosemodell kann das die Verbesserung gegenüber einem bisherigen Verfahren sein. Bei einem Dokumentenassistenten sind beispielsweise richtige Antworten, nachvollziehbare Quellen und der Umgang mit fehlenden Informationen relevant. Dokumentieren Sie Ergebnisse und offene Fragen.
Agile Methoden anwenden
Kurze Entwicklungszyklen, regelmäßiges Feedback und wiederholte Tests helfen, Anforderungen und Lösung schrittweise aufeinander abzustimmen. Zerlegen Sie große Projekte in kleinere Teilaufgaben und bleiben Sie flexibel bei sich ändernden Anforderungen. Das konkrete Vorgehensmodell richtet sich nach Projekt, Team und Rahmenbedingungen. Scrum ist eine Möglichkeit, aber keine allgemeine Voraussetzung für KI-Projekte.
Proaktives Risikomanagement betreiben
Identifizieren Sie potenzielle Stolpersteine frühzeitig, etwa Datenlücken, falsch konfigurierte Modelle oder unrealistische Erwartungen. Halten Sie Fehler und ihre Ursachen fest und entscheiden Sie, welche Änderungen vor einer weiteren Nutzung erforderlich sind. Ein nicht überzeugender Pilot kann auch zur Anpassung des Vorhabens oder zum Verzicht auf die Anwendung führen.
Testen Sie außerdem unvollständige Eingaben, widersprüchliche Informationen und unberechtigte Zugriffe. Bei Anwendungen mit externen Inhalten sind Manipulationsversuche zu berücksichtigen. Unser Beitrag zur KI-gestützten Softwareentwicklung in der Engineering-Praxis erläutert die Bedeutung aussagekräftiger Tests und fachlicher Verifikation.
3. Bereiten Sie die Skalierung vor
Übergang von Prototyp zu Live-Betrieb planen
Sorgen Sie für Stabilität, Sicherheit und Wartbarkeit Ihrer KI-Lösung im Produktivbetrieb. Führen Sie Performance-Tests durch, richten Sie Monitoring-Systeme ein und etablieren Sie klare Support-Prozesse für den Fall von Problemen.
Vor der Freigabe müssen auch die Prozessrollen geklärt sein: Wer bewertet unsichere Ergebnisse, bearbeitet Ausnahmen und entscheidet über Änderungen? Legen Sie fest, wann die Anwendung an eine Person übergibt und wie der bisherige Ablauf bei einem Ausfall weitergeführt werden kann.
Daten und Aktionen kontrolliert anbinden
Technische Integration umfasst den Zugriff auf benötigte Daten und die Rückgabe von Ergebnissen in den Geschäftsprozess. Nutzen Sie dafür geeignete, dokumentierte Schnittstellen und begrenzte Berechtigungen. Verteilte Datenquellen müssen nicht zwangsläufig vollständig in ein neues System verlagert werden.
Unterscheiden Sie Informationsabruf, Handlungsvorschlag und tatsächliche Änderung. Das Lesen eines Bestellstatus benötigt andere Kontrollen als eine automatische Bestellung oder Stammdatenänderung. Kostenwirksame oder rechtlich relevante Aktionen brauchen klare Freigaberegeln, Fehlerbehandlung und Protokollierung.
Technische Skalierung der KI-Implementierung sicherstellen
Ermitteln Sie, wie sich steigende Nutzung auf Leistung, Antwortzeiten und Kosten auswirkt. Je nach Architektur kommen zusätzliche Kapazitäten, angepasste Kontingente, Warteschlangen oder andere Betriebsmaßnahmen infrage.
Bei eigenen Modellen können MLOps-Verfahren Training, Evaluation und Bereitstellung unterstützen. Neue Modellstände müssen vor ihrer produktiven Freigabe geprüft werden. Bei Anwendungen mit vorhandenen Sprachmodellen stehen häufig Versionen, Prompts, Datenquellen und Konfiguration im Vordergrund. Automatisches Retraining ist dafür nicht grundsätzlich erforderlich.
Kompetenzen im Unternehmen aufbauen
Planen Sie Kompetenzen nach Anwendung und Betriebsform. Fachverantwortliche benötigen Kenntnisse zur Bewertung von Ergebnissen und Ausnahmen. IT und Entwicklung müssen Schnittstellen, Berechtigungen, Änderungen und Betrieb beherrschen. Datenschutz und Informationssicherheit bringen ihre jeweiligen Anforderungen ein.
Data Scientists oder MLOps-Spezialist:innen werden besonders bei eigenen Modellen und komplexen Datenverfahren benötigt. Eine integrierte Standardlösung verlangt nicht automatisch dieselbe Teamstruktur. Schulungen sollten die tatsächlich eingesetzten Funktionen und Verantwortlichkeiten abdecken.
KI strukturiert umsetzen: Anwendungsfälle, Pilot und Betrieb
Unser Leitfaden "KI im Unternehmen einführen" behandelt Strategie, Anwendungsfälle, Pilotprojekte und Erfolgsmessung. Nutzen Sie ihn, um vorhandene KI-Nutzung zu ordnen und die nächsten Schritte Ihrer Implementierung vorzubereiten.
Erfolgsmessung und Optimierung der KI-Integration
Definieren Sie aussagekräftige KPIs
Legen Sie sowohl technische als auch geschäftliche Kennzahlen fest:
Qualitäts- und Betriebskennzahlen der KI-Implementierung:
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Genauigkeit beziehungsweise Präzision bei geeigneten Klassifikations- oder Prognoseaufgaben.
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Korrekt bearbeitete Fälle und fachliche Fehler.
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Nachvollziehbarer Quellenbezug bei wissensgestützten Antworten.
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Umgang mit fehlenden Informationen, Ausnahmen und unberechtigten Zugriffen.
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Bearbeitungszeit beziehungsweise Latenz.
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Stabilität unter realistischer Nutzung.
Geschäftliche Kennzahlen der KI-Implementierung:
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Kosten pro vollständig bearbeitetem Vorgang.
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Bearbeitungszeit einschließlich Kontrolle und Nacharbeit.
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Return on Investment anhand nachvollziehbarer Annahmen.
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Definierte Umsatz- oder Kosteneffekte, soweit zuordenbar.
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Kundenzufriedenheit und tatsächlicher Nutzungsgrad.
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Qualitative Verbesserungen, etwa nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen.
Erfassen Sie einen Ausgangswert vor der Änderung und verwenden Sie vergleichbare Fälle beziehungsweise Zeiträume. Berücksichtigen Sie Einmalaufwand für Integration und Datenvorbereitung sowie laufende Lizenzen, Infrastruktur und Betreuung. Kürzere Modellantwortzeiten oder mehr Aufrufe allein belegen noch keinen wirtschaftlichen Nutzen.
Etablieren Sie kontinuierliche Lernprozesse
Richten Sie ein fortlaufendes Monitoring Ihrer KI-Lösungen ein, um Performance-Probleme frühzeitig zu erkennen. Nutzen Sie Rückmeldungen, um konkrete Verbesserungen abzuleiten. Bei Prognosen können Vorhersagen mit späteren Ergebnissen verglichen werden; bei Sprachmodellen sind fachlich geprüfte Testfälle und Prozessfehler zu betrachten.
Etablieren Sie regelmäßige Reviews, in denen KPI-Werte diskutiert und Verbesserungsmaßnahmen beschlossen werden. Das ist zunächst ein Lernprozess der Organisation. Die Anwendung oder das Modell lernt dadurch nicht automatisch weiter. Änderungen an Modellen, Prompts, Datenquellen oder Berechtigungen benötigen passende Tests und Freigaben.
"Eine KI-Implementierung ist erst dann belastbar, wenn Qualität, Verantwortung und Betrieb im vollständigen Prozess geklärt sind."
KI-Implementierung: Praxisbeispiele
Die folgenden Szenarien illustrieren unterschiedliche Anforderungen an die Implementierung. Sie sind keine dokumentierten Assecor-Kundenreferenzen und enthalten keine garantierten Einsparwerte.
Produktion: Vorausschauende Wartung
Ein Unternehmen möchte Auffälligkeiten in den Betriebsdaten einer Anlage erkennen. Dafür müssen Messwerte, Anlagenzuordnung und Wartungsereignisse zusammenpassen. Warnungen werden zunächst im Pilotbetrieb mit fachlich bekannten Fällen verglichen und von einem technischen Team bewertet.
Für die Produktivfreigabe zählen relevante Warnungen, Fehlalarme und der zusätzliche Prüfaufwand. Ob Ausfälle oder Wartungskosten sinken, muss über geeignete Vergleichszeiträume bewertet werden. Vorgeschriebene Prüfungen und Wartungen bleiben bestehen.
Immobilienwirtschaft: Vertragsdaten erfassen und Verwaltung unterstützen
Eine Immobilienverwaltung möchte Vertragsangaben schneller erfassen. Die Anwendung extrahiert vorab definierte Felder und zeigt ihre Fundstellen. Mitarbeitende prüfen unsichere oder widersprüchliche Angaben, bevor Ergebnisse in das Verwaltungssystem übernommen werden.
Der Pilot misst Feldgenauigkeit und Bearbeitungszeit einschließlich Korrekturen. Für den Betrieb müssen Dokumentenzugriffe, Zuordnungen, Änderungen und Löschungen berücksichtigt werden.
Weitere Anwendungen für Verwaltung, Immobilienbewertung und Gebäudebetrieb sowie deren Voraussetzungen erläutert unser Beitrag KI in der Immobilienbranche.
Dienstleistungen: Kundenservice und Betrugserkennung
Ein Serviceunternehmen möchte wiederkehrende Anfragen vorsortieren und Antwortentwürfe vorbereiten. Es beginnt mit wenigen Kategorien, prüft Zuordnungen und legt fest, welche Fälle persönlich bearbeitet werden. Automatischer Versand wird erst innerhalb klar freigegebener Abläufe eingesetzt.
Bei der Erkennung auffälliger Transaktionen gelten andere Anforderungen: Fehlalarme, übersehene Fälle und die Folgen von Folgeaktionen müssen gesondert bewertet werden. Ein geeignetes Verfahren für eine Aufgabe ist deshalb nicht automatisch auf die andere übertragbar.
Fazit: Die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der KI-Implementierung
Die erfolgreiche Implementierung und Skalierung von KI-Projekten basiert auf mehreren Schlüsselfaktoren:
- Solide Voraussetzungen: Geeignete Daten, passende Infrastruktur und geklärte Zuständigkeiten.
- Schrittweise Umsetzung: Anwendungen und wesentliche Änderungen begrenzt testen und anhand vorher festgelegter Kriterien bewerten.
- Fehlerkultur: Rückschläge analysieren und Verbesserungen nachvollziehbar umsetzen.
- Technische Qualität: Integration, Berechtigungen, Fehlerbehandlung und Betrieb passend zur Anwendung gestalten.
- Kompetenzaufbau: Mitarbeitende für ihre konkreten Aufgaben qualifizieren und Fachbereiche mit IT zusammenbringen.
- Klare Erfolgsmessung: Technische Qualität und Prozesswirkung einschließlich Nacharbeit und Kosten überprüfen.
Für Entscheider:innen bedeutet das: Prüfen Sie einen klar abgegrenzten Prozess und legen Sie fest, welche Verbesserung erreicht werden soll. Auch bestehende Anwendungen können eine erneute Bewertung ihrer Daten, Integration und Betriebsfähigkeit benötigen. Die Ergebnisse zeigen, welche Lösungen ausgeweitet werden können und wo zunächst Voraussetzungen geschaffen werden müssen.
FAQ: KI-Implementierung
1. Was versteht man unter KI-Implementierung?
KI-Implementierung bezeichnet den strukturierten Prozess, eine KI-Anwendung in Geschäftsabläufe einzubinden. Dazu gehören Anforderungen, geeignete Daten, Technologieauswahl, Schnittstellen, Tests und Betrieb. Eigene Modellentwicklung ist nicht grundsätzlich erforderlich. Die Umsetzung sollte klare Verantwortlichkeiten und überprüfbare Ziele besitzen.
2. Welche Voraussetzungen müssen für ein KI-Projekt geschaffen werden?
Erforderlich sind ein abgegrenzter Anwendungsfall, geeignete Daten und klare Zuständigkeiten. Hinzu kommen passende Schnittstellen, Berechtigungen und die Prüfung rechtlicher Anforderungen. Infrastruktur und Kompetenzen richten sich nach der Anwendung. Eine Standardlösung benötigt nicht grundsätzlich eigenes Modelltraining, Kubernetes oder eine neue Datenplattform.
3. Wie minimiert man das Risiko des Scheiterns bei KI-Projekten?
Begrenzen Sie Umfang und Folgeaktionen, legen Sie Prüfkriterien fest und testen Sie mit fachlich bewerteten Fällen. Unvollständige Eingaben, Fehler und Zugriffsgrenzen gehören zur Evaluation. Nutzen und Aufwand müssen einschließlich Nacharbeit betrachtet werden. Vor der Ausweitung sind Verantwortlichkeit, Support und Rückfallverfahren zu klären.
4. Wie lässt sich der Erfolg eines KI-Projekts messen?
Vergleichen Sie den vollständigen Prozess mit dem Ausgangszustand. Relevante Größen sind Ergebnisqualität, Bearbeitungszeit einschließlich Kontrolle, Nacharbeit und Kosten pro Vorgang. Hinzu kommen passende technische Kennzahlen und die tatsächliche Nutzung. Vergleichbare Fälle und regelmäßige Reviews helfen, Effekte von Schwankungen zu unterscheiden.
5. Wie implementiere ich KI-gestützte Lösungen im Unternehmen?
Definieren Sie Aufgabe und Ziel, prüfen Sie Daten und Rechte und wählen Sie eine geeignete Lösung. Ein begrenzter Pilot bewertet Qualität und Aufwand. Anschließend werden Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Betrieb vorbereitet. Die Ausweitung erfolgt anhand festgelegter Freigabekriterien. Überwachung und kontrollierte Änderungen bleiben danach erforderlich.
KI-Anwendungen integriert und überprüfbar umsetzen
Sie möchten eine Anwendung mit Ihren Daten und Systemen verbinden oder einen Pilot in den Betrieb überführen? Besprechen Sie mit Assecor, welche Anforderungen, Schnittstellen, Kontrollen und Kompetenzen dafür erforderlich sind und wie sich Qualität und Nutzen bewerten lassen.
Toni Jungheim ist Head of Delivery Excellence bei Assecor und Experte für KI-Strategie, AI Governance, Organisationsentwicklung und digitale Transformation. Er begleitet KI- und Transformationsvorhaben von der strategischen Konzeption bis zur messbaren Umsetzung. Zuvor entwickelte er ein unternehmensweites AI-Governance-Framework und steigerte die aktive KI-Nutzung auf rund 70 Prozent der Mitarbeitenden. Er ist Wirtschaftspsychologe und Certified OKR Master.